Gespeichert unter: 2001
Ich stieg die Treppe aus dem Flugzeug herunter und da war eine Wand aus Hitze und Feuchtigkeit, so wie immer, wenn man in den Tropen ankommt. Ich hatte mich auf dem Bordklo bereits mit Autan eingerieben, denn die Anopheles-Mücken warteten da draußen nur darauf, meine Leber mit Malariaerregern zu infizieren. Es war Nacht, gelblichfarben, und die Menschen am Boden hatten exotische Uniformen an. Große brodelnde Stadt da draußen, das Nichts des Weltalls noch größer um uns herum, um Nada und mich, zwei fast verschwindende Punkte auf dem Planeten Erde. Wir schoben unser Gepäck auf einem Trolley über grauglänzende Linoleumböden und stritten uns darüber, ob wir nun den Aufzug nach unten nehmen oder die Sachen zu Fuß die Treppe hinuntertragen sollten zur Zollkontrolle – ich als die faule Sau unseres Teams wollte den Aufzug nehmen. Wir standen dann in der Kabine mit zwei Familien, sie hatten riesige Gepäckstücke auf ihren Wägen gestapelt und waren selbst sehr füllige Personen, der Aufzug setzte sich in Bewegung und blieb zwischen den Stockwerken stehen. Das war’s. Der Film „Fahrstuhl zum Schafott in Karachi“ hatte hier begonnen, und uns blieb nur noch langsames Ersticken in Begleitung von zwei übergewichtigen Großfamilien. Meine Schuld, ich wollte den Aufzug nehmen. Nach zehn Minuten gab es einen Ruck und die Fahrt ging nach unten. An der Zollstelle winkte man uns durch. Dr. Angelroth erwartete uns. Er hatte gleich sehr viel zu erzählen, wir saßen schweigend und etwas eingeschüchtert im Minivan des Goethe-Instituts und wurden durch nächtliche Peripherielandschaften gefahren. Ich schaute auf die Straße. Da schwebten Busse vorbei, silberglitzernd, mit Girlanden und bunten Ornamenten verziert. Das war also doch der Tod gewesen im Fahrstuhl. Jetzt war ich im Himmel. Fast schon hörte ich ein Klimpern von Glöckchen wie beim Rentiergespann Knecht Ruprechts, und ich starrte weggetreten aus dem Fenster. Alle Fahrgäste jedes einzelnen dieser Busse fingen meinen Blick auf und drehten ihre Köpfe nach mir um, während sie in die Gegenrichtung vorbeifuhren, wie von einer geisterhaften Hand gelenkt. Wir kamen in Davids Haus an, einem Bungalow hinter mit Pflanzen bewachsenen Mauern, und nahmen später im Wohnzimmer Platz, wo wir nach und nach die Gastgeschenke auspackten, die sie sich aus Deutschland gewünscht hatten. David war verblüfft: „Das kann doch nicht sein, sie haben euch die Whiskyflaschen am Zoll nicht weggenommen?“
Gespeichert unter: 2008
Am 18. August, ich zappte beim Frühstück gelangweilt durch die Fernsehkanäle, wurde ich Zeuge des historischen Ereignisses, live: General Musharraf enthob sich in einer Fernsehansprache seines Amtes. CNN, und später auch die anderen Sender, zeichneten danach in dreiminütigen Clips das Portrait des Staates Pakistan.

















