Christina Zück: Defence Phase II Karachi


Ein unglaubliches Meisterwerk islamischer Baukunst zum Beispiel
30. November 2008, 18:38
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Shah Jahan Mosque in Thatta, Sindh, erbaut etwa 1644 im Auftrag von Großmogul Shah Jahan, der auch den Taj Mahal bauen ließ, aber diese gekachelte, minimalistische Moschee, man möchte es kaum glauben, ist noch besser als der Taj, und die Digisnaps können nur ein erbärmliches Zeugnis von ihrer zauberhaften Atmosphäre geben.

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Okay, Karachi, noch ein Abschiedsfoto für dich
28. November 2008, 12:07
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Khuda Hafiz, Karachi, Lebwohl!
28. November 2008, 11:42
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Shah Abdul Latif’s Mazaar, Bhit Shah
25. November 2008, 12:55
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The Mirror
23. November 2008, 22:19
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Dhamaal
18. November 2008, 10:33
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Schrein des Lal Shahbaz Qalander in Sehwan Sharif

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Field Work With William Dalrymple
18. November 2008, 10:30
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Ich hab’s ja geahnt. Man kommt irgendwohin und ist der einzige Tourist weit und breit – denn es gibt noch keine Touristen dort, weil dieses wunderbare Land als Kriegsgebiet klassifiziert ist – und die Ethnologen, Islamwissenschaftler, Historiker, Entwicklungshelfer sind schon längst vor Ort und bereiten das das dunkle Territorium auf die Aufnahme in die Wikipediawelt vor. Und während ich vor den in Trance herumwirbelnden Frauen mit meiner Kamera auf dem Boden herumkrieche und eine massive Überschreitung begehe – das Fotografieren dieser Frauen aus Belutschistan und Sindh ganz besonders während ihrer außergewöhnlichen Bewußtseinszustände ist nicht erwünscht, und immer wieder kommen die Frauen, ihre Freundinnen und ihre Ehemänner auf mich zu, um mich wegzuschicken – währendessen also steht hinter mir Constable Mustafa, der bewaffnete Polizist, den uns das Tourismusbüro als Leibwächter zugeteilt hat, und jagt mit ein paar Handbewegungen alle Leute, die mich stören, wieder weg. Die Trommler hämmern einen betäubenden Beat und ich bin in meiner eigenen Trance, zwischen den Beinen der Tanzenden hin und her rennend. Der Herr in der weißen Kurta mit dem Notizbuch in der Hand ist ein Angrezi (Angrezi heißt Engländer, aber die Leute hier nennen alle Ausländer so) und, wie sich später herausstellt, William Dalrymple himself, in Delhi lebender Historiker und Schriftsteller, dessen Wälzer sich hier in jeder Buchhandlung auf dem Bestsellertisch stapeln. „It’s like a big rave“, findet er auch, als ich sage, dass mir das alles nicht ganz so fremd ist, so ähnlich ist es ja auch in der Technodisco, außer dass das hier mit der religiösen Erfahrung bei den Leuten sehr viel tiefer geht, sind ja auch Sufis. „Let’s try and find the old lady who was asking questions about the jinn“, sagt er zu seinen Begleitern, lokale UN-Mitarbeiter, die schon beim Hereinkommen und beim Ausbreiten des VIP-Bettlakens eine Aura des Feudalherrentums um sich herum verbreiteten, und macht sich aus dem Staub.



The Boy Who Would Be Close To God
18. November 2008, 10:04
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Khadir Bakhsh lebt im Schrein des Lal Shahbaz Qalander, Sehwan

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Hotel Metropole
14. November 2008, 09:44
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Wieso sie das berühmte Hotel Metropole im Zentrum der Stadt abreißen – ich habe keine Ahnung. Angeblich werden sie es wieder aufbauen. Ich kann es nicht vermeiden, bei jedem Anblick einer der vielen Ruinen in Karachi an einen bomb blast zu denken. Teile des Gebäudes sind noch in Gebrauch, zum Beispiel befindet sich im zweiten Stock das Büro des liebenswerten Direktors der pakistanischen Tourismusagentur, Riaz Khan aus Gilgit in Kashmir. Am Ende des mit modernistisch-islamischen Gittern verzierten Ganges kann man ins Freie stürzen. Eine ganze Etage war damals von Lufthansa als Unterkunft für die Crews angemietet worden, die Fenster gingen zur Shahrah-e-Faisal hin, der Hauptverkehrsader, zu der Zeit, als Lufthansa noch Karachi anflog. Vassili hat mir erzählt, dass er Ende der Achtziger mal ein paar Tage in Karachi war, seine Schwester, Stewardess bei Lufthansa, flog dort regelmäßig hin und war begeistert von der Stadt. Sie hatten mit der ganzen Crew in diesem Appartment gewohnt und großartige Parties gefeiert. Auch der Kapitän des Ausflugsbootes, der Touristen im Hafenbecken zwischen Kriegsschiffen, malaysischen Tankern und beschlagnahmten indischen Fischerbooten hin und her schippert und den Trip „Crabbing“ nennt, hat von den internationalen Crews erzählt, die früher regelmäßig sein Boot gemietet hatten, KLM, Air France, Lufthansa, etc. Keine dieser Airlines fliegt mehr Karachi an, seit es aus internationaler Sicht zum Kriegsgebiet wurde. Neben dem Metropole, das fast den ganzen Häuserblock umfaßt, liegt das Village Garden, früher eines der besten und berühmtesten Restaurants der Stadt. Heute ist es dafür bekannt, dass Daniel Pearl hier mit seinem Entführer verabredet war, kurz bevor er für immer verschwand, auf barbarische Weise hingerichtet. An dem Ort, an dem ich jetzt stehe, im Eingangsbereich, wo jetzt ein Kiosk ist, war ein sehr gutes chinesisches Restaurant, und alle wichtigen Journalisten der Stadt trafen sich dort regelmäßig, erzählt Saira. Ich kaufe einen kleinen Tetrapak mit Tropicana Mango Twister, hergestellt von Pepsi. “Da schau mal”, sagt sie, “geh mal ein Foto machen”. Durch den Torbogen hindurch kann man eine kleine Menge hell gekleideter Männer vorbeiziehen sehen, sie tragen Plakate vor sich her. Ich drücke ihr den Mangosaft und die Geldscheine in die Hand und laufe nach draußen, sie sind schon fast außer Sicht. Keine Ahnung, für oder gegen was sie demonstrieren, ihre Plakate sind in Urdu. „Sind bestimmt keine Fundos“, meint Saira. Wir fahren in den Club, den Karachi Gymkhana, ein echtes Relikt aus der Kolonialzeit, in das man als Nicht-Member nur in Begleitung eines vollwertigen Members reinkommt, es ist Zeit für Lunch. 

I haven´t found out why they are pulling down the famous Hotel Metropole in the city centre. They are likely to build it up again. At the sight of any ruins in Karachi, the notion of „bomb blast“ inevitably pops up in my mind. Parts of the building are still in use, for instance, on the third floor one can find Riaz Khan´s office, the amiable director of the Pakistan Tourism Development Corporation who hails from Gilgit in Kashmir. At the end of a corridor bordered by modernist islamic gridwork, one risks plunging into the open air. An entire wing had been rented out to Lufthansa – the windows looking out onto the main artery Shahrah-e-Faisal – back when Lufthansa was still flying to Karachi. Vassili had told me that at the end of the eighties, he had spent a few days in bustling Karachi. His sister who was a flight attendant with Lufthansa used to stop there regularly, she loved the city. The whole crew used to live at the apartment, where there were parties and lots of alcohol. Even the captain of the sail boat who organises „crabbing“ cruises around the harbour basin in between battleships, Malaysian oil tankers and Indian fishing boats that have been seized by the Pakistani coast guards, told stories about the international cabin crews who used to sail out with him. They were from KLM, Air France and Lufthansa. None of these airlines serve Karachi any more, and have not done since it was declared a war zone from the West’s perspective. Next to the sprawling Metropole that stretches across a whole block and on the corner opposite the Avari Towers Hotel, is the Village Garden which was once one of the most renowned restaurants in the city. Today it is famous because of Daniel Pearl who met his kidnapper here, shortly before he disappeared and was murdered barbarically. At the spot where I’m standing now, in the entrance area next to the kiosk, there used to be a very good Chinese restaurant. All the important journalists used to mingle there, Saira tells me. I buy a small Tetrapak carton of Tropicana Mango Twister, produced by Pepsi. „Hey look what´s going on“, she says, „go and take a picture.“ Through the archway, I can discern a small crowd of men dressed in white shalwar kameezes, they are carrying banners. I quickly hand her the mango juice and the bunch of bank notes and run towards the street, by that time they are almost out of sight. I cannot tell for or against what they are demonstrating, their slogans are written in Urdu. „Those aren´t fundos“, Saira rassures me. We are going to the club now, the Karachi Gymkhana, a dinosaur of an institution, dating from the colonial era. As a non-member I can only enter if escorted by a full-fledged member. It is time for lunch. 

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Schreckgespenst II
14. November 2008, 09:35
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Bevor ich den Schlafenden auf der Terrasse des Abdullah Shah Ghazi Schreins entdeckte, hatte ich einen echten Toten gesehen. Er war in ein ganz ähnliches Baumwolltuch gehüllt, das Gesicht bedeckt, und auf einer Plattform aufgebahrt. Das Erstarrte war sehr deutlich wahrnehmbar, ganz anders als ein atmender Körper: vesteinert unter dem weichen Tuch lag eine Leiche. Ich war durch eine angelehnte Tür in den hinteren Teil des Schreins gelangt und hatte die halb eingestürzte Rückseite des Gebäudes fotografiert, ohne zu bemerken, dass ich direkt neben dem Verstorbenen stand. Ein älterer Mann kam auf mich zu und rief „Jao! Jao!“, mit den Armen gestikulierend und zur Tür hin weisend, „Hau ab!“