Christina Zück: Defence Phase II Karachi


September 11, 2001
11. September 2009, 14:34
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7866534 In the late afternoon, on our way home, we stopped at Sea View, Clifton.

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Haathi Ka Nam?
30. Oktober 2008, 13:29
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Karachi Zoo 2001

„Mar gaya“ sagt einer der Kellner der Cafeteria, als ich nach dem Elefanten frage: Er ist gestorben. Er war der einzige Elefant im Zoo von Karachi, 2002 ist er wohl gestorben, soweit ich es verstehen kann mit den drei Wörtern, die ich in Urdu kann. „Haathi ka nam?“ frage ich. „Elephant.“ sagt der Mann. „Elephant ka nam?“ – „Haathi.“ „Haathi ka nam?“ – „Elephant.“ Die Fragen führen zu nichts. Er hatte einfach keinen Namen.



Venus des 21. Jahrhunderts
19. September 2008, 19:18
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Hawkes Bay, Karachi, 15. September 2001



Gori Mezile
17. September 2008, 11:15
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Der inzwischen in Lahore lebende Künstler David Alesworth hat mir die Anstecknadeln geschenkt. Er ist ein Spezialist in pakistanischer Popkultur und sammelt unter anderem diese Pins. Sie wurden anläßlich eines Nationalfeiertags herausgegeben.

David Alesworth, an artist who lives and teaches in Lahore now, gave me the pins in 2001. He is a specialist in Pakistani pop culture and has a collection of these pins that came out on the occasion of a national holiday.



Lion of Panjshir
16. September 2008, 23:40
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In der Mitte des Fotos ist ein Taliban. Es ist kein echter, vermute ich, sondern ein Fotograf, der sich verkleidet hat, als Accessoire hat er eine AK-47 aus Plastik umhängen. Man kann sich von ihm oder mit ihm fotografieren lassen, er macht es für Geld. Das in dem rosa H&M-T-Shirt bin ich. Ich unterhalte mich mit einem Typen, der mir vorschlägt, später seine Fabrik zu besichtigen. Ich sage so ungefähr: „Nee, heute nicht, wir haben gerade erst angefangen zu arbeiten.“ Die Männer auf der Straße sind alle stehen geblieben und fangen schon an, eine Traube um mich zu bilden. Auch ich mache etwas Performatives mit meinem Körper. Meine Freundin Nada Sebestyén dokumentiert die Aktion und versucht gleichzeitig, das Foto so hinzukriegen, dass es irgendwie nach künstlerischer Straßenfotografie, Magnum-Style, aussieht. Später wird sich Nada dann auf die Straße stellen und darin als sie selbst herumlaufen, und ich werde die Kamera nehmen. Wir befinden uns im Stadtteil Saddar in Karachi neben einer Fußgängerbrücke am Empress Market. Es ist der 11. September 2001, circa 11h30 lokale Zeit, nach ein paar Tagen Akklimatisierung und Locationsuche haben wir heute morgen unser Fotoprojekt begonnen und schon zwei Diafilme verschossen.
Nada hat noch ein Foto von dem Talibanimpersonator gemacht. Er fotografiert jetzt mich, ganz ohne Geld zu wollen, vielleicht aus Kuriosität. Die Männer, die auf dem Boden sitzen und in Vitrinen kleine mit Spiegeln beklebte Amulette zum Verkauf anbieten, amüsieren sich. Ob die Geschichte von Ahmed Shah Massoud in unser Unbewußtes eingeflossen ist und sich optisch manifestiert hat, kann ich nicht mehr genau sagen. Der charismatische und extrem gutaussehende Führer der afghanischen Nordallianz, der „Löwe von Panjshir“, war am 9. September während eines Interviews von einer Bombe getötet worden, die die als Fernsehjournalisten verkleideten Selbstmordattentäter in ihre Kamera eingebaut hatten. Es hatte uns bewegt, erinnere ich mich, und dem Gefährlichkeitspathos Pakistans weiteren Zündstoff gegeben.


2001
16. September 2008, 21:51
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Ich stieg die Treppe aus dem Flugzeug herunter und da war eine Wand aus Hitze und Feuchtigkeit, so wie immer, wenn man in den Tropen ankommt. Ich hatte mich auf dem Bordklo bereits mit Autan eingerieben, denn die Anopheles-Mücken warteten da draußen nur darauf, meine Leber mit Malariaerregern zu infizieren. Es war Nacht, gelblichfarben, und die Menschen am Boden hatten exotische Uniformen an. Große brodelnde Stadt da draußen, das Nichts des Weltalls noch größer um uns herum, um Nada und mich, zwei fast verschwindende Punkte auf dem Planeten Erde. Wir schoben unser Gepäck auf einem Trolley über grauglänzende Linoleumböden und stritten uns darüber, ob wir nun den Aufzug nach unten nehmen oder die Sachen zu Fuß die Treppe hinuntertragen sollten zur Zollkontrolle – ich als die faule Sau unseres Teams wollte den Aufzug nehmen. Wir standen dann in der Kabine mit zwei Familien, sie hatten riesige Gepäckstücke auf ihren Wägen gestapelt und waren selbst sehr füllige Personen, der Aufzug setzte sich in Bewegung und blieb zwischen den Stockwerken stehen. Das war’s. Der Film „Fahrstuhl zum Schafott in Karachi“ hatte hier begonnen, und uns blieb nur noch langsames Ersticken in Begleitung von zwei übergewichtigen Großfamilien. Meine Schuld, ich wollte den Aufzug nehmen. Nach zehn Minuten gab es einen Ruck und die Fahrt ging nach unten. An der Zollstelle winkte man uns durch. Dr. Angelroth erwartete uns. Er hatte gleich sehr viel zu erzählen, wir saßen schweigend und etwas eingeschüchtert im Minivan des Goethe-Instituts und wurden durch nächtliche Peripherielandschaften gefahren. Ich schaute auf die Straße. Da schwebten Busse vorbei, silberglitzernd, mit Girlanden und bunten Ornamenten verziert. Das war also doch der Tod gewesen im Fahrstuhl. Jetzt war ich im Himmel. Fast schon hörte ich ein Klimpern von Glöckchen wie beim Rentiergespann Knecht Ruprechts, und ich starrte weggetreten aus dem Fenster. Alle Fahrgäste jedes einzelnen dieser Busse fingen meinen Blick auf und drehten ihre Köpfe nach mir um, während sie in die Gegenrichtung vorbeifuhren, wie von einer geisterhaften Hand gelenkt. Wir kamen in Davids Haus an, einem Bungalow hinter mit Pflanzen bewachsenen Mauern, und nahmen später im Wohnzimmer Platz, wo wir nach und nach die Gastgeschenke auspackten, die sie sich aus Deutschland gewünscht hatten. David war verblüfft: „Das kann doch nicht sein, sie haben euch die Whiskyflaschen am Zoll nicht weggenommen?“